Unwort ‚Direkt‘

Mein größtes Problem mit dem meist überflüssigen direkt: Es wird so oft missbraucht. Da man mir ja nichts glauben muss, verweise ich auf den Duden:

Direkt bedeutet: ohne Umweg, ohne etwas dazwischen.

Direkt gegenüber, auf direktem Weg, Direktsaft. Aber nicht: gewissermaßen, eigentlich, geradezu, sofort oder etwas in dieser Art.

Beispiele von missbräuchlichem direkt:

Sie streckte die Hand aus und zog sie direkt wieder zurück.

Das heißt, dass die Person ihre Hand nicht über einen Umweg zurückzieht, also z.B. keine Windmühlenbewegung mit dem Arm macht. Das ist aber nicht gemeint. Gemeint ist: sofort oder gleich.

Auf eine weitere Enttäuschung konnte er direkt verzichten.

Hier kann direkt direkt gestrichen werden. (Nur um sicherzustellen, dass ich nicht falsch verstanden werde: das war ein weiteres missbräuchliches direkt.)

Es sah direkt furchteinflößend aus.

Allerdings. Es sollte nämlich heißen: Es sah geradezu furchteinflößend aus.

Sie sah ihm direkt in die Augen.

Das ist eine völlig korrekte Anwendung von direkt, schließlich schaut man äußerst selten indirekt irgendwohin. Das könnte man tun: Zum Beispiel durch einen Spiegel. Sie könnte die Kamera ihres Handys auf ihn richten, direkt aufs Display schauen und indirekt in seine Augen. Nichts davon ist zu erwarten, darum ist direkt völlig überflüssig.

Sie sah ihm in die Augen.

Wamm! Klingt doch viel direkter, nicht wahr?

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