Eine spannende Geschichte richtig aufbauen

Wenn man einen Roman schreibt, muss man tausend Dinge berücksichtigen. Vielleicht hast du Ratgeber gelesen oder Erzählmodelle gelernt. Die Drei-, Vier- oder weiß-ich-wie-viele-Aktstruktur, Heldenreise, auslösendes Ereignis, Konflikte, Midpoint, Plot Twists, Figurenarcs und was es alles gibt. Außerdem brauchst du eine Erzählperspektive, Metaphern, Symbole, Themen und so weiter. Am Ende schwirrt dein Kopf und du fängst irgendwo an.

Vergiss mal all das für einen Moment. Ich möchte es auf einen einzigen Punkt hinunterkochen. Den Wichtigsten.

Definiere den zentralen Höhepunkt deiner Geschichte.

Der zentrale Höhepunkt gibt dir Orientierung und verhindert, dass dein Plot flach wird. Er ist das Ziel, auf das du hinarbeitest und von dem du alles rückwärts aufrollst.

Was ist der zentrale Höhepunkt?

Am Höhepunkt ist der Gegner am stärksten und die Hauptfigur wirft alles in den Kampf, was sie hat. Es geht um Sieg oder Niederlage, nichts dazwischen.

Ich rede von der epischen Schlacht. Vom Moment, in dem der Bräutigam vor dem Altar steht, die erwartungsvollen Blicke der Familie auf sich gerichtet – aber neben ihm steht die falsche Braut.

Die Geschichte ist hier fast zu Ende. Danach wird der zentrale Konflikt aufgelöst, indem die Hauptfigur siegt oder alles verliert. Dann gibt es nichts mehr zu tun. Ein kurzer Nachhall und der letzte Vorhang fällt.

Die Auflösung

Vielleicht kannst du dir den Höhepunkt deiner Geschichte noch nicht vorstellen. Du denkst viel eher an die Auflösung. Die Hauptfigur widersteht der dunklen Seite der Macht und siegt. Oder der Mann gesteht der Richtigen seine Liebe, du weißt aber noch nicht, wie und wo.

Es wäre ja langweilig, wenn es nichts gäbe, was die Hauptfigur am Sieg hinderte. Der Widerstand ist vor der Auflösung am stärksten. Überleg dir das Schlimmste, was der Auflösung im Wege stehen könnte. Du kommst auf Ideen wie: Der Gegner im Kampf ist der eigene Vater. Oder der Mann wird zur Heirat mit der falschen Frau gezwungen.

So leicht kommt unser Bräutigam nämlich nicht wieder raus. Er muss sich schon ein wenig Mühe geben. Viel Mühe. Was wäre seine Liebe denn sonst wert? Er soll alles aufbieten, was er vermag. Die Erwartung seiner Familie hat ihn in diese Lage gebracht. Nun muss er opfern, was er bisher hoch gehalten hat: die Familientradition und seinen Platz darin. Zum Beispiel so: Er nimmt dem Prediger das Mikrofon aus der Hand und gesteht der Brautjungfer seine Liebe.

Das ist eine Auflösung. Es gibt kein Zurück mehr.

Gegner

Der Gegner muss nicht unbedingt eine Person sein. Beim Bräutigam ist es der Erwartungsdruck seiner Familie. Nehmen wir ein paar andere Beispiele:

  • Es kann die Natur sein, wenn es ums nackte Überleben geht wie in Cast Away.
  • Es kann ein anonymes System sein, wie in The Hunger Games.
  • Es kann der Held selbst sein, wie in Breaking Bad.

Figuren

Bevor du dich an den Plot machst, denk nochmal über deine Figuren nach. Die Stärken, Schwächen und Herkunft deiner Figuren zeigen sich am Höhepunkt und sollten dazu passen.

Unser Bräutigam ist der einzige Sohn einer Adelsfamilie und die Erhaltung der Familientradition hängt allein an ihm. Er ist schüchtern und spricht nicht gern über seine Gefühle, schon gar nicht vor Leuten.

  • Cast Away: Der Held arbeitet bei FedEx. Tempo, Tempo, Tempo. Dann strandet er auf der einsamen Insel.
  • The Hunger Games: Die Heldin kämpft bereits mit hohen Erwartungen. Sie wird in einen brutalen Kampf geworfen, in dem es unmöglich ist, allem gerecht zu werden.
  • Breaking Bad: Ein enttäuschter Chemielehrer hat die fachlichen Fähigkeiten, aber man würde nicht die Persönlichkeit eines Drogenbarons erwarten.

Achte darauf, dass die Hauptfigur anfangs nicht gut geeignet ist, den Höhepunkt zu meistern.

Opfer und Entscheidungen

Es ist leicht, zu kämpfen, wenn man nichts verlieren kann. Vor oder während des Höhepunkts erkennt die Hauptfigur, was ihr eigentlich wichtig ist. Damit das spürbar wird, muss sie Opfer bringen.

Unser Bräutigam opfert seinen Stand. Er muss sich entscheiden zwischen dem Leben, auf das er von Kindheit her vorbereitet wurde: Wohlstand, Sicherheit und Pflicht. Oder aber er schießt alles in den Wind und wählt die Liebe.

  • Cast Away: Der Held opfert zum Beispiel seinen fiktiven Freund Wilson, um zu überleben.
  • The Hunger Games: Man könnte eine lange Liste machen, was die Heldin alles opfert. Unter anderem den leichten Sieg im Kampf dafür, menschlich zu bleiben.
  • Breaking Bad: Der Protagonist opfert seine Familie, um Macht zu erhalten.

Opfer haben mehr Gewicht, wenn die Hauptfigur sie bewusst wählt.

Die wahre Liebe des Bräutigams wird nicht einfach enthüllt. Er muss nach dem Mikrofon greifen und sprechen.

Spannungskurve

Du hast jetzt alles, was deine Geschichte im Kern ausmacht und ein Ziel.

Schreibe Schritt für Schritt, wie es zum zentralen Höhepunkt kommt. Jede Stufe ist schlimmer als die vorherige und gipfelt im zentralen Höhepunkt, sonst ist man am Ende enttäuscht. Zwischendurch gibt es Hoffnung, nur, um sie wieder zu vernichten.

Zum Beispiel versucht der Bräutigam, seinem Vater zu widersprechen, was ihm nur Probleme einbrockt. Die Angebetete zeigt ihm, was Zuneigung eigentlich bedeutet, und gibt ihm Kraft.

Lass deine Hauptfigur scheitern und daran wachsen.

Und der ganze Rest?

Egal, wie viel Erzähltheorie du gelernt hast oder auch nicht: der Fokus auf den zentralen Höhepunkt hilft, die richtigen Prioritäten zu setzen. Du leitest davon ein solides Grundgerüst für Spannung und Drama ab.

Was den ganzen Rest anbelangt, rate ich dir vorerst, dich auf deine Intuition zu verlassen. Ganz bestimmt bist du gut darin. Fass den zentralen Höhepunkt als Reiseziel ins Auge, benutze dein Feingefühl und tob dich kreativ aus.

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