Stell dir vor, hier fändest du eine Reihe sprachwissenschaftlicher Schulen, die ich absolviert habe, Weiterbildungen und alles, gefolgt von einer Liste erfolgreicher Veröffentlichungen, fünfundzwanzig Jahre Berufserfahrung etcetera.
Stell dir vor, das alles fändest du hier nicht.
Ich habe tatsächlich einen Hochschulabschluss, der sich auf Sprachen bezieht. Es handelt sich dabei aber um Programmiersprachen. Zugegeben, das hat mit Literatur gar nichts zu tun. Aber mit strukturiertem Denken. Sprache ist eine Kopfangelegenheit und Schreiben sozusagen geistiger Spitzensport. Es ist so, als hätte ich bisher Marathon gelaufen und dann angefangen, Fußball zu spielen. Die Technik ist völlig neu, aber wenigstens bin ich ein bisschen antrainiert.
Ich testlese oft und gern Manuskripte von anderen Leuten. Ich bin ein analytischer Mensch und zerlege so lange, bis ich einer Sache auf den Grund gekommen bin. Die Erkenntnis, dass mir ein Satz oder Handlungsbogen nicht gefällt, reicht mir nicht. Ich will genau wissen, warum. Ich erkenne gewisse Muster wieder und versuche dann, ein eigenes Beispiel zu erstellen und zu erklären, warum es nicht so wirkt, wie es sollte.
Bei der Anwendung der Theorie habe ich – wen wunderts – gemerkt, dass es nicht so einfach ist. Es lässt mich nicht los, wenn ich denke, alles richtig zu machen, es aber offensichtlich nicht funktioniert. Manchmal geht mir dabei ein Licht auf.
Meine liebste Art zu lernen ist, es zu erklären. Möglichst einfach. Erstens muss ich dafür zu Ende denken. Zweitens gibt es immer wieder schlaue, nette Leute, die mich auf Irrtümer hinweisen, wenn ich mich verlaufe. Gerne kannst du das Kommentarfeld dafür benutzen. (Natürlich auch für alles andere, was du mir oder anderen mitteilen willst.)