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  • Die Heldenreise in ‚Ronja Räubertochter‘

    Die Heldenreise in ‚Ronja Räubertochter‘

    Ronja Räubertochter von Astrid Lindgren halte ich für eines der besten Kinderbücher überhaupt. Wer es noch nicht gelesen hat: man ist nie zu alt dafür. Die Mischung aus Fantasy-Abenteuer und Coming-of-Age-Drama berührt auf so vielen Ebenen zugleich.

    Ich versuche, die Heldenreise darin zu finden. Das bringt mich weiter im Verständnis, wie die Heldenreise überhaupt funktioniert.

    Meiner Meinung nach sind viele Beschreibungen der Heldenreise im Internet entweder oberflächlich, abstrakt oder schwertlastig. Wichtige Teile werden oft nicht als solche erkannt, wie zum Beispiel die Auferstehung oder das Elixier. In Ronja finde ich durch alle Stufen der Heldenreise ein wunderbares Beispiel.

    Ich verwende Christopher Voglers Definition der Heldenreise in zwölf Stufen. Sie ist leichter verständlich als die Heldenreise von Campbell.

    Alle Zitate sind aus: Ronja Räubertochter, Astrid Lindgren, Verlag Friedrich Oetinger 1982, Deutsch von Anna-Liese Kornitzky, in die neue Rechtschreibung übertragen.

    1. Die gewohnte Welt

    Die Welt des Helden zeigt von Anfang an Risse. Etwas ist damit nicht ganz in Ordnung.

    Die gewohnte Welt von Ronja ist ihr Vater, der sie vergöttert, ihre liebende Mutter, die Mattisburg und der gefährliche Wald. Außerdem die Tatsache, dass die Borkaräuber Hosenschisser sind. In der Nacht ihrer Geburt schlägt der Blitz in der Burg ein und spaltet sie bis tief in die Erde. Eine metaphorische Spaltung, die die ganze Geschichte prägt, sinnbildlich für die Feindschaft der Räubersippen und die Spaltung zwischen Ronja und ihrem Vater. Der Konflikt wurde ihr in die Wiege gelegt.

    Mattis ist der archetypische Schwellenhüter, der die Heldin zurückhält.

    „Lovis“, sagte er zu seiner Frau, „unser Kind muss lernen, wie es ist, im Mattiswald zu leben. Lass Ronja hinaus!“

    „Schau an, hast du das auch endlich begriffen?“, sagte Lovis.

    Ronja Räubertochter, Kapitel 1.

    2. Ruf des Abenteuers

    Ein Ereignis erschüttert die Welt des Helden und stürzt ihn ins Abenteuer.

    Bei Ronja ist es Birk Borkasohn, der erscheint. Er ist schön und sie sieht zum ersten Mal einen Menschen in ihrem Alter. Sie beschreibt ihn als Kind, weiß aber, dass er ein Mann wird und sie eine Frau. Das unbekannte Land von Ronjas Heldenreise ist nicht etwa der Wald und seine Gefahren. Das ist ja ihre gewohnte Welt. Das Unbekannte ist das Erwachsenwerden, eigene Entscheidungen zu treffen, eigene Werte zu verteidigen und jemand anderen als Mama und Papa zu lieben.

    Noch hatte er sie nicht entdeckt. Ronja schaute ihn sich an, wie er dort saß, und sie lachte leise, weil es ihn gab.

    Ronja Räubertochter, Kapitel 2.

    3. Verweigerung des Rufs

    Der Held weigert sich, das Abenteuer anzunehmen. Das muss so sein, sonst wäre die Reise zu einfach und die Veränderung zu wenig bedeutsam.

    Schnell findet Ronja heraus, das Birk ein Hosenschisser von einem Borkaräuber ist. Schlimmer noch, seine ganze Sippe ist in der Mattisburg eingezogen, auf der anderen Seite des Abgrundes. Sie kocht vor Wut.

    „Rutsch mir doch den Buckel runter“, schrie Ronja. „Du mitsamt deiner Borkafeste! Scher dich zum Donnerdrummel!“ Sie ballte die Faust und schlug zu, genau auf seine Nase.

    Ronja Räubertochter, Kapitel 3.

    4. Begegnung mit dem Mentor

    Ein Mentor hilft dem Helden, die unbekannte Welt zu verstehen und ermutigt ihn.

    Glatzen-Per ist ein besonderer Mentor. Er lehrt nicht durch ein gutes Vorbild oder weise Sprüche. Im Gegenteil. Er erzählt schamlos, welch grausamer Räuber er ist. Zum ersten Mal beginnt Ronja, an ihren Werten zu zweifeln. Mattis gefällt das natürlich gar nicht.

    „Aber werden die Leute denn nicht wahnsinnig wütend, wenn man ihnen ihre Sachen wegnimmt?“, fragte Ronja.

    Glatzen-Per kicherte. „Wütend, dass es nur so zischt“, versicherte er. „Oje, oje, du solltest das nur hören!“

    „Alter, es wäre gut, wenn du jetzt endliche schlafen gehst“, sagte Mattis.

    Ronja Räubertochter, Kapitel 5.

    5. Überschreiten der ersten Schwelle

    Der Held überschreitet die Schwelle in die fremde Welt. Dies ist erst ein kleiner Schritt, aber bereits unumkehrbar.

    Ronja gerät im Wald in ernsthafte Gefahr und schließt mit dem Leben ab. Nachdem Birk sie gerettet hat, will sie nicht mehr mit ihm streiten. Sie macht ihm ein Freundschaftsangebot, stellt aber eine Bedingung.

    „Du, Birk“, sagte sie, „ich wünschte, du wärst mein Bruder.“

    Birk lächelte. „Das kann ich ja sein, wenn du es möchtest, Räubertochter.“

    „Ja, das möchte ich“, sagte sie. „Aber nur, wenn du mich Ronja nennst!“

    Ronja Räubertochter, Kapitel 5.

    6. Bewährungsproben, Verbündete, Feinde

    Der Held muss auf seinem Weg im unbekannten Land viele Gefahren überwinden, erkennt seine Feinde und gewinnt Verbündete.

    Die Verbündeten und Feinde sind bei Ronja keine Figuren. In den folgenden Kapiteln geht es um die kleineren Hindernisse beim Erwachsenwerden. Ronja ist krank. Der Schnee sperrt die Räuber in der Burg ein und Ronja füttert heimlich Birk und die Borkaräuber durch. Sie versucht zu reiten, ihr Vater wollte es erst erlauben, wenn sie groß genug ist. Es gelingt ihr nicht.

    So weit ist es also mit mir gekommen, dachte Ronja, dass ich die Borkaräuber am Leben erhalte. Gnade mir Gott, wenn Mattis das erfährt!

    Ronja Räubertochter, Kapitel 7.

    7. Vordringen in die tiefste Höhle

    Der Held begegnet seinen größten Ängsten und er erkennt, dass nun alles auf dem Spiel steht.

    Der Streit zwischen den Sippen eskaliert und Birk wird von den Mattisräubern gefangengenommen. Es ist eine unerträgliche Situation für Ronja. Bisher konnte sie vor ihrem Vater verbergen, dass sie sich heimlich mit ihm traf und ihn ihren Bruder nannte. Nun ist sie gezwungen, Farbe zu bekennen.

    Ronja stieß einen Schrei aus, und Tränen der Wut stürzten ihr aus den Augen. „Das darfst du nicht tun!“, schrie sie und schlug mit geballten Fäusten auf Mattis ein, egal wohin sie traf. „Du Untier, das darfst du nicht tun!“

    Ronja Räubertochter, Kapitel 9

    8. Entscheidungskampf

    Der Held wird zum Handeln gezwungen. Er muss kämpfen und scheitert. Er erkennt zwar das Problem und weiß, was zu tun ist, aber ist noch nicht bereit dazu. Hier stirbt der alte Teil des Helden, noch bevor der Neue geboren ist.

    Am Höllenschlund will Mattis Birk als Druckmittel benutzen, um die Borkaräuber aus der Burg zu vertreiben. Ronja fällt eine Entscheidung. Sie springt über den Abgrund in die Arme des Feindes. Sie ist noch nicht bereit dazu, mit ihrem Vater zu brechen, hat aber keine andere Wahl, wenn sie sich selbst und Birk treu bleiben will. Ihr Vater wird sie von nun an verleugnen. Das ist das notwendige Scheitern. Der frühere Teil von ihr muss sterben, damit sie neu geboren werden kann.

    Fast wie von Sinnen nahm sie einen Anlauf und flog über den Höllenschlund. Mattis sah sie mitten im Sprung, und ein Schrei brach aus ihm heraus. Es war ein Schrei, wie ihn wilde Tiere in Todesangst ausstoßen, und seinen Räubern gefror das Blut in den Adern, denn Schlimmeres hatten sie nie gehört.

    Ronja Räubertochter, Kapitel 9.

    9. Belohnung und Ergreifen des Schwerts

    Der Held nimmt eine Belohnung aus dem Kampf mit, die ihm ermöglicht, den letzten Kampf zu gewinnen. Das Schwert ist oft ein Gegenstand, ein Werkzeug oder ein Hilfsmittel.

    Ronja gewinnt die Liebe Birks. Mit ihm wird sie in die Bärenhöhle ziehen, von wo aus sie den letzten Kampf austrägt. Für Ronja ist Birk das Schwert, also ein Werkzeug, weil er ihr hilft, ohne ihren Vater auszukommen.

    Die beiden, Ronja und Birk, sahen einander an, als wären sie allein hier an der Wolfsklamm und auf der Welt. Ja, diese beiden hielten zusammen, das konnte jeder sehen.

    Ronja Räubertochter, Kapitel 10.

    10. Rückweg

    Der Held kehrt in die gewohnte Welt zurück, aber verändert. Die beiden Welten sind noch unvereinbar. Er bereitet sich auf den letzten Kampf vor.

    Ronja und Birk kehren zu ihren Sippen zurück, halten es aber nicht lange aus. Gemeinsam ziehen sie in die Bärenhöhle. Sie richten ihr eigenes Zuhause ein, trotzen den Gefahren des Waldes und schaffen es endlich, zu reiten.

    Ja, schwer war es, die Mutter zu verlassen, aber noch schwerer war es, nicht mehr Mattis‘ Kind zu sein. Darum musste sie fort, auch wenn sie das Wolfslied nie wieder hören sollte.

    Ronja Räubertochter, Kapitel 10.

    11. Auferstehung

    Der Held muss den letzten Kampf austragen. Alle antagonistischen Kräfte werden mobilisiert und er kommt an den Rand des Todes. Doch er schaffte es, dass sich alles zum Guten wendet.

    Der Sommer geht vorbei. Birk drängt Ronja, in die Mattisburg zurückzukehren, weil sie sonst verhungern würde. Zuerst kommt Klein-Klipp und bringt Essen. Dann kommt Lovis. Das beginnt Ronjas Endkampf. Lovis sagt, dass Mattis in den Fluss springen würde, wenn sie nicht bald nach Hause käme. Doch sie bleibt hart. Lieber würde sie mit Birk im Wald sterben, als aufzugeben.

    „Du, Lovis, wenn du ein Kind wärst und einen Vater hättest, der dich so erbarmungslos verleugnet, dass er nicht einmal deinen Namen nennt, würdest du dann zu ihm zurückkehren? Wenn er nicht selber käme und darum bäte?“

    Ronja Räubertochter, Kapitel 15.

    Nun tritt sie ihrem Vater auf Augenhöhe entgegen, reicht ihm eine Hand und verlangt gleichzeitig, wie eine Erwachsene behandelt zu werden.

    Doch ein Kampf ist nicht mit einem Streich gewonnen. Ronja bleibt nichts erspart, bevor sie aufersteht.

    Schwerer habe ich es nie in meinem Leben gehabt, dachte Ronja. Jetzt musste sie das sagen, was Mattis zerbrechen würde, das wusste sie, und doch musste sie es sagen. Das sie lieber bei Birk bleiben wollte.

    Ronja Räubertochter, Kapitel 16.

    12. Rückkehr mit dem Elixier

    Der Kampf ist gewonnen und der Held erhält das Elixier. Im Gegensatz zum Schwert ist es etwas, das die Welt (oder zumindest das Umfeld) heilt.

    Ronjas Elixier ist die Versöhnung der Sippen. Ihre Väter veranstalten einen Ringkampf, um den Häuptling der vereinten Räuberbande zu wählen. Dadurch bringen sie Ronjas Elixier mit ihren alten Bräuchen in Einklang. Eine weitere Wirkung ihres Elixiers ist die Selbstbestimmung für sich und Birk.

    Borka waren die Augen feucht geworden vor Kummer über seinen Sohn, der so aus der Art schlug. Aber Mattis versuchte ihn zu trösten.

    „Ich hab mich daran gewöhnen müssen“, sagte er, „und das wirst du auch tun. Heutzutage hat man bei seinen Kindern nichts mehr zu melden. Die machen, was sie wollen.“

    Ronja Räubertochter, Kapitel 17.

    Macht das Astrid Lindgren mit Absicht?

    Die Definition von Vogler kann Astrid Lindgren nicht gekannt haben, weil sein Buch erst 1992 veröffentlicht wurde, Ronja aber bereits 1981. Campbell hat sein Buch ‚A Hero with a Thousand Faces‘ bereits 1949 veröffentlicht. Man kann darüber spekulieren, ob Astrid Lindgren das gekannt hat. Aber warum sollte sie nach beinahe vierzig Jahren erfolgreicher Bücher bewusst eine Heldenreise schreiben? Mir fallen gerade keine weiteren Werke von ihr auf, die nach Heldenreise aussehen. Und Ronja andererseits ist sehr genau.

    Darum komme ich zum Schluss: Es kann kein Zufall sein, aber Astrid Lindgren hat höchst wahrscheinlich keine Absicht gehabt, eine Heldenreise zu schreiben, sondern hat einfach eine verdammt gute Geschichte geschrieben.

    Vielleicht hat Vogler ja von ihr gelernt.


  • Eine spannende Geschichte richtig aufbauen

    Eine spannende Geschichte richtig aufbauen

    Wenn man einen Roman schreibt, muss man tausend Dinge berücksichtigen. Vielleicht hast du Ratgeber gelesen oder Erzählmodelle gelernt. Die Drei-, Vier- oder weiß-ich-wie-viele-Aktstruktur, Heldenreise, auslösendes Ereignis, Konflikte, Midpoint, Plot Twists, Figurenarcs und was es alles gibt. Außerdem brauchst du eine Erzählperspektive, Metaphern, Symbole, Themen und so weiter. Am Ende schwirrt dein Kopf und du fängst irgendwo an.

    Vergiss mal all das für einen Moment. Ich möchte es auf einen einzigen Punkt hinunterkochen. Den Wichtigsten.

    Definiere den zentralen Höhepunkt deiner Geschichte.

    Der zentrale Höhepunkt gibt dir Orientierung und verhindert, dass dein Plot flach wird. Er ist das Ziel, auf das du hinarbeitest und von dem du alles rückwärts aufrollst.

    Was ist der zentrale Höhepunkt?

    Am Höhepunkt ist der Gegner am stärksten und die Hauptfigur wirft alles in den Kampf, was sie hat. Es geht um Sieg oder Niederlage, nichts dazwischen.

    Ich rede von der epischen Schlacht. Vom Moment, in dem der Bräutigam vor dem Altar steht, die erwartungsvollen Blicke der Familie auf sich gerichtet – aber neben ihm steht die falsche Braut.

    Die Geschichte ist hier fast zu Ende. Danach wird der zentrale Konflikt aufgelöst, indem die Hauptfigur siegt oder alles verliert. Dann gibt es nichts mehr zu tun. Ein kurzer Nachhall und der letzte Vorhang fällt.

    Die Auflösung

    Vielleicht kannst du dir den Höhepunkt deiner Geschichte noch nicht vorstellen. Du denkst viel eher an die Auflösung. Die Hauptfigur widersteht der dunklen Seite der Macht und siegt. Oder der Mann gesteht der Richtigen seine Liebe, du weißt aber noch nicht, wie und wo.

    Es wäre ja langweilig, wenn es nichts gäbe, was die Hauptfigur am Sieg hinderte. Der Widerstand ist vor der Auflösung am stärksten. Überleg dir das Schlimmste, was der Auflösung im Wege stehen könnte. Du kommst auf Ideen wie: Der Gegner im Kampf ist der eigene Vater. Oder der Mann wird zur Heirat mit der falschen Frau gezwungen.

    So leicht kommt unser Bräutigam nämlich nicht wieder raus. Er muss sich schon ein wenig Mühe geben. Viel Mühe. Was wäre seine Liebe denn sonst wert? Er soll alles aufbieten, was er vermag. Die Erwartung seiner Familie hat ihn in diese Lage gebracht. Nun muss er opfern, was er bisher hoch gehalten hat: die Familientradition und seinen Platz darin. Zum Beispiel so: Er nimmt dem Prediger das Mikrofon aus der Hand und gesteht der Brautjungfer seine Liebe.

    Das ist eine Auflösung. Es gibt kein Zurück mehr.

    Gegner

    Der Gegner muss nicht unbedingt eine Person sein. Beim Bräutigam ist es der Erwartungsdruck seiner Familie. Nehmen wir ein paar andere Beispiele:

    • Es kann die Natur sein, wenn es ums nackte Überleben geht wie in Cast Away.
    • Es kann ein anonymes System sein, wie in The Hunger Games.
    • Es kann der Held selbst sein, wie in Breaking Bad.

    Figuren

    Bevor du dich an den Plot machst, denk nochmal über deine Figuren nach. Die Stärken, Schwächen und Herkunft deiner Figuren zeigen sich am Höhepunkt und sollten dazu passen.

    Unser Bräutigam ist der einzige Sohn einer Adelsfamilie und die Erhaltung der Familientradition hängt allein an ihm. Er ist schüchtern und spricht nicht gern über seine Gefühle, schon gar nicht vor Leuten.

    • Cast Away: Der Held arbeitet bei FedEx. Tempo, Tempo, Tempo. Dann strandet er auf der einsamen Insel.
    • The Hunger Games: Die Heldin kämpft bereits mit hohen Erwartungen. Sie wird in einen brutalen Kampf geworfen, in dem es unmöglich ist, allem gerecht zu werden.
    • Breaking Bad: Ein enttäuschter Chemielehrer hat die fachlichen Fähigkeiten, aber man würde nicht die Persönlichkeit eines Drogenbarons erwarten.

    Achte darauf, dass die Hauptfigur anfangs nicht gut geeignet ist, den Höhepunkt zu meistern.

    Opfer und Entscheidungen

    Es ist leicht, zu kämpfen, wenn man nichts verlieren kann. Vor oder während des Höhepunkts erkennt die Hauptfigur, was ihr eigentlich wichtig ist. Damit das spürbar wird, muss sie Opfer bringen.

    Unser Bräutigam opfert seinen Stand. Er muss sich entscheiden zwischen dem Leben, auf das er von Kindheit her vorbereitet wurde: Wohlstand, Sicherheit und Pflicht. Oder aber er schießt alles in den Wind und wählt die Liebe.

    • Cast Away: Der Held opfert zum Beispiel seinen fiktiven Freund Wilson, um zu überleben.
    • The Hunger Games: Man könnte eine lange Liste machen, was die Heldin alles opfert. Unter anderem den leichten Sieg im Kampf dafür, menschlich zu bleiben.
    • Breaking Bad: Der Protagonist opfert seine Familie, um Macht zu erhalten.

    Opfer haben mehr Gewicht, wenn die Hauptfigur sie bewusst wählt.

    Die wahre Liebe des Bräutigams wird nicht einfach enthüllt. Er muss nach dem Mikrofon greifen und sprechen.

    Spannungskurve

    Du hast jetzt alles, was deine Geschichte im Kern ausmacht und ein Ziel.

    Schreibe Schritt für Schritt, wie es zum zentralen Höhepunkt kommt. Jede Stufe ist schlimmer als die vorherige und gipfelt im zentralen Höhepunkt, sonst ist man am Ende enttäuscht. Zwischendurch gibt es Hoffnung, nur, um sie wieder zu vernichten.

    Zum Beispiel versucht der Bräutigam, seinem Vater zu widersprechen, was ihm nur Probleme einbrockt. Die Angebetete zeigt ihm, was Zuneigung eigentlich bedeutet, und gibt ihm Kraft.

    Lass deine Hauptfigur scheitern und daran wachsen.

    Und der ganze Rest?

    Egal, wie viel Erzähltheorie du gelernt hast oder auch nicht: der Fokus auf den zentralen Höhepunkt hilft, die richtigen Prioritäten zu setzen. Du leitest davon ein solides Grundgerüst für Spannung und Drama ab.

    Was den ganzen Rest anbelangt, rate ich dir vorerst, dich auf deine Intuition zu verlassen. Ganz bestimmt bist du gut darin. Fass den zentralen Höhepunkt als Reiseziel ins Auge, benutze dein Feingefühl und tob dich kreativ aus.